Die Dinge hinter den Dingen zu sehen begann für mich damit, als meine Tochter irgendwann - sie war so im Alter zwischen 3- oder 4 Jahren - mir ständig erzählte, sie käme von Sera. Später meinte sie sogar, was sie überhaupt hier solle?, sie wäre schließlich nicht von hier! Ich war erstaunt, die Phantasie meiner Tochter überraschte mich. Sie musste das wohl irgendwo aufgeschnappt haben und Kinder blabbern in diesem Alter bekanntlich ja alles nach. Für mich war damit das Thema zunächst erledigt. Als sich diese Aussage aber ständig wiederholte, begann mich die Neugierde zu plagen: Sera? Wer oder was war Sera?! Zunächst konnte ich keine befriedigende Antwort finden. Dieser Wurm musste das wohl mit dem Wort Terra verwechseln und gab es jetzt eben als Sera wieder. Nach Monaten kam ich auf die Idee Enzyklopädien zu bemühen, um endlich zu einem Ergebnis zu kommen. Was fand ich da im Brockhaus? Ich werde dieses Aha-Erlebnis nie vergessen. Dort stand:
Sera (tibet. Rosengarten), tibet. Großkloster nördlich von Lhasa, 1417 gegr. von einem Schüler des Reformators Tsong-kha-pa, eines der drei Staatsklöster der Gelben Kirche des Lamaismus; unter Mao Tse-Tung weitgehend zerstört.
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Wie war das doch gleich mit Wiedergeburt, Reinkarnation?! Ich war verblüfft. Viele Jahre beschäftigte ich mich danach mit dem Thema Reinkarnation und dem Karma. Erst viel später fiel mir auf, dass meine Tochter bereits geraume Zeit dieses Thema nicht mehr erwähnte. Heute weiß ich, sie begann zu vergessen.
Was auffiel? Die Überlieferungen der Weltreligionen beziehen sich auf ein geheimnisvolles Buch des Lebens, einem universellen Gedächtnis.
In der Apokalypse des Johannes steht: Und ich sah in der rechten Hand des, der auf dem Stuhl saß, ein Buch, beschrieben inwendig und auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln. Die Geister scheiden sich, wenn es um die Frage geht, werden wir als Tiere oder Pflanzen wiedergeboren. Thôt-Hermes (Hermes Trismegistos), der mögliche Schöpfer des berühmten Totenbuches, hielt es wie einige andere auch für unmöglich. Seine hermetischen Lehren begründete übrigens die ägyptische Religion, auf deren Basis auch Moses erzogen wurde.
Aber auch die alten Griechen wie Pythagoras, Platon und Sokrates glaubten an die Reinkarnation. Im Phaidon lässt Platon Sokrates folgendes sprechen: Es ist eine sehr alte Meinung, dass die Seelen in die Unterwelt gehen, wenn sie diese Welt verlassen, und dass sie von dort in die Welt zurückkehren ins Leben, nachdem sie durch den Tod geschritten sind. Es scheint mir Zebes, dass man diesen Wahrheiten nichts entgegensetzen kann und dass wir uns nicht täuschten, als wir sie bekräftigten. Zebes antwortetet ihm, es ist die notwenige Folge eines anderen Prinzips, das ich dich oft aufstellen hörte, dass unser Wissen nämlich nichts anderes als Erinnerung sei!
Die Ägypter geben in ihrem Totenbuch jedenfalls ein ähnliches Wissen wieder, wie z. B. auch die Tibeter in einem ihrer heiligen Bücher: dem Bardõ Thõdol. Nach Platon waren die Ägypter die Erben der Atlanter. Wer kennt sie nicht, die Suche nach dem sagenumwobenen geheimnisvollen Atlantis.
Mit Beginn unserer Zeitrechnung huldigten die Römer noch sehr dem Mithras-Kult - welcher genauso viel Wert auf die Lehre der Seelenwanderung legte. Cäsar berichtete in der De Bello Gallico von den Druiden, die sowohl die Seelenwanderung lehrten als sich auch mit den Sternen beschäftigten.
Das Sohar wiederum erzählt davon, dass die Lehre der Reinkarnation auch von einigen jüdischen kabbalistischen Theologen bewahrt wurde, wie z. B. dem Rabbi Manasseh Ben Israel (18. Jahrhundert). Sie sprachen sogar darüber hinaus über die Möglichkeit des gegenseitigen Durchdringens zweier Seelen in einem Körper (Ibbour).
Der heilige Hieronymus glaubte an die Notwendigkeit mehrerer Leben. In Johannes spricht Christus zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Die Seele ist unsterblich ... das stimmt bis heute in unserem westlichen Kulturkreis, nur unser abendländischer Rationalismus hat uns da wohl ein Bein gestellt wenn es um die Frage der Wiedergeburt geht. Langsam scheinen wir uns aber wieder zu erinnern, denn nicht umsonst finden sich immer mehr buddhistische Anhänger. Der Buddhismus und der Hinduismus wurden ja sehr lange mitleidig belächelt. In den alten heiligen Schriften Indiens, in den Upanishaden - dem Kommentar zu den Veden - wird vom Rad der Wiedergeburt erzählt. Im Buch der Jakatas von einem der größten buddhistischen Lehrer, Gautama Buddha. Und die Tulkus, die tibetanischen Heiligen oder oft Vorsteher eines Klosters sind darüber hinaus dem Glauben verbunden, ihre zukünftigen Inkarnationen sogar selbst auswählen zu können. Weder das abendländische Christentum noch die Islamisierung haben den Glauben an die Wiedergeburt auslöschen können. Selbst die persischen (einer der bekanntesten war Rumi, 13. Jahrhundert) und syrischen Sufis haben sich diesen Glauben bis heute bewahrt. In den islamischen Ländern wird dieser Glaube noch gelebt, dort werden die Kinder ernst genommen, wenn sie von ihren früheren Leben erzählen.
Wir hängen an dogmatischen Lehren, die uns scheinbar Sicherheiten bieten und verlieren dabei die Offenheit für das Ganze aus dem Auge. Die Weigerung das eigene Blickfeld zu erweitern geschieht lediglich aus Angst vor dem Unbekannten. Diese Ängste aber machen den Menschen manipulierbar und unfrei. Nur die Freiheit kennt nicht diesen bitteren Beigeschmack.
Spielt es also demnach tatsächlich eine Rolle, ob wir in Buddha, Allah oder Christus eins sind?
Vielleicht werden wir uns alle irgendwann erinnern - an das Mysterium des Lebens?! Solange wird es heißen:
Das Leben ist ein Rätsel,
was es zu leben gilt
- und nicht zu lösen.